Plusenergiehäuser: Für die Zukunft bauen

Plusenergiehaus Ludwigfelde von Kampa on Kampa
Plusenergiehäuser: Musterhaus Ludwigsfelde von Kampa


Alle gebauten Plusenergiehäuser – auch im privaten Baubereich – helfen dabei, die ehrgeizigen Klimaziele der Bundesregierung umzusetzen. Hier liest du, wie Häuser Plusenergiehäuser werden und auf was es dabei ankommt. Plusenergiehäuser kannst du von außen kaum erkennen, nur eine Photovoltaikanlage auf dem Dach setzt ein Zeichen. Es steckt aber wesentlich mehr in Plusenergiehäusern.


Der Bundestag hat am 24. Juni 2021 einem verschärften Klimaschutzgesetz zugestimmt. Das sieht unter anderem vor, dass Deutschland bis 2045 Klimaneutralität erreicht – und nicht wie ursprünglich geplant erst 2050. Klimaneutralität heißt, dass nicht mehr Treibhausgas in die Atmosphäre gelangt, als die Natur wieder aufnehmen kann. Die verbindlichen Emissions-Minderungsziele bedeuten bis zum Jahr 2030 bereits 65 Prozent weniger Treibhausgasausstoß, 77 Prozent bis 2035, bis 2040 dann 88 Prozent und 100 Prozent bis 2045 (jeweils im Vergleich zu 1990). Im privaten Baubereich gewinnen deshalb bei Neubauten Plusenergiehäuser immer mehr an Bedeutung. Plusenergiehäuser versorgen sich zu einem großen Teil selbst mit regenerativer Energie – ohne klimaschädliche Emissionen.

Was sind Plusenergiehäuser?

Plusenergiehäuser produzieren einen Energie-Überschuss: das „Plus“. Damit ein Haus einen Überschuss erwirtschaften kann, muss sein Verbrauch zunächst möglichst niedrig ausfallen. Deshalb müssen Plusenergiehäuser mindestens den KfW-Effizienzstandard 55, besser noch 40 erfüllen. Dann ist es möglich, dass sie mithilfe von moderner energieerzeugender Technik ihren Bedarf selbst decken und sogar ein rechnerisches Plus erreichen. Dabei kommt es vor allem auf folgende Faktoren an: eine gute Dämmung und Abdichtung der gesamten Gebäude­hülle, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie dreifachverglaste Fenster mit einem niedrigen Wärmedurchgangs-Koeffizienten. Diese sind so auszurichten, dass sie jede Menge Sonnenwärme einfangen, weil das Heizenergie spart. Zudem gilt: Je kleiner die Außenhülle, desto geringer die Wärmeverluste. Wenn du mit Wohnfläche knauserst und ein möglichst kompaktes Gebäude baust, schaffst du beste Voraussetzungen für einen niedrigen Energiebedarf. Konkret bedeutet das zum Beispiel auf Gauben und Erker zu verzichten. Prinzipiell gibt es aber keine architektonischen Einschränkungen für Plusenergiehäuser.

Das zeichnet Plusenergiehäuser aus:

  • Energiebilanz ist positiv
  • Hervorragende Wärmedämmung
  • Dichte Gebäudehülle
  • Erneuerbare Energien, statt fossiler Brennstoffe
  • Natürliche Baustoffe
  • Kompakte Bauweise und Architektur
  • Fortschrittliche Heiztechnik- und Methoden

Gibt es spezielle architektonische Anforderungen an Plusenergiehäuser?

Expertentipp
„Diese gibt es nicht. Jede Architektur ist für ein Plusenergiehaus möglich. Die Technik schränkt die individuelle Grundrissgestaltung in keiner Weise ein. Lediglich die Größe und Ausrichtung der Dachfläche muss für die benötigte Menge an Photovoltaik-Modulen passen. Bei der Himmelsrichtung wird eine Ost-West-Ausrichtung des Hauses präferiert. Damit ist eine optimale Sonneneinstrahlung den ganzen Tag über gewährleistet.“
Georg Hammerstingl, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei Kampa

Plusenergiehäuser haben oft eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Die Funktionsweise eines Photovoltaiksystems mit Speicher. Foto: co2online

Wie funktionieren Plusenergiehäuser?

Plusenergiehäuser beruhen auf der Nutzung von Solarstrom, den du mithilfe von Photovoltaikanlagen einfach gewinnen kannst. Das Ziel ist dabei, möglichst viel der selbst produzierten Energie auch tatsächlich direkt im eigenen Haus zu verbrauchen. Ein hoher Eigenverbrauch ist jedoch nicht ganz einfach erreichbar, denn Solarstromangebot und Strombedarf sind in Plusenergiehäusern nicht deckungsgleich. Der Grund: Von der Photovoltaikanlage tagsüber erzeugten Strom kannst du einerseits kaum direkt komplett verbrauchen. Und andererseits scheint abends und nachts, wenn du zu Hause bist und Energiebedarf hast, keine Sonne. Deshalb brauchst du zunächst eine bedarfsgerechte Planung der Photovoltaikanlage und ein abgestimmtes Energiemanagement- oder Smarthome-System. Diese steuern den Einsatz der einzelnen Stromverbraucher im Haushalt entsprechend den Geräteanschlussleistungen und dem Ertrag der Photovoltaik-Anlage. So erreichst du Eigenverbrauchsanteile bis etwa 40 Prozent.

So erreichst du 6o bis 80 Prozent Eigenverbrauch

Plusenergiehäuser brauchen für einen höheren Eigenverbrauchsanteil einen möglichst leistungsfähigen Batteriespeicher. Dieser speichert überschüssigen Solarstrom für eine Nutzung nach individuellem Bedarf. So erhöht er den Eigenverbrauch bis auf etwa 60 Prozent. Um auf Eigenverbrauchsanteile bis über 80 Prozent zu kommen, brauchst du eine Elektro-Wärmepumpe in Verbindung mit einem Heizwasserpufferspeicher. Dieser speichert den Solarstrom über die Wärmepumpe als elektrisch produzierte Wärmeenergie zwischen. Eine weitere Steigerung des Eigenstromverbrauchs macht ein Elektro-Fahrzeug möglich, das über eine entsprechende Ladestation zu „betanken“ ist. Noch höhere Eigenverbrauchsanteile machen Strom-Communities möglich. Hierbei schließen sich viele private Stromerzeuger und Batteriebesitzer zu einer Strom-Sharing-Gemeinschaft zusammen, die dann als Gruppe energieautark ist. Strom ist auch in einer Cloud speicherbar und dann das ganze Jahr über bei Bedarf abrufbar. So sind rein rechnerisch Unabhängigkeiten bis zu 100 Prozent möglich.

Welche Haustechnik eignet sich am besten für Plusenergiehäuser?

Expertentipp
„Natürlich denkt man hier zuerst an eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach, welche regenerativ Strom erzeugt. Aber es ist nicht nur wichtig, Strom zu erzeugen, sondern ihn auch für den Eigenbedarf zu speichern. Weil eigen verbrauchter Sonnenstrom kostengünstiger ist als Storm aus dem Netz. Das macht unabhängig und ist ein weiterer Schritt in die persönliche Energiewende. Ein leistungsfähiger Stromspeicher macht dies möglich. Außerdem ist es sinnvoll, den Stromverbrauch effizient zu managen. Mit einem Energiezähler ist es möglich, zum Beispiel den Warmwasserspeicher dann zu laden, wenn Sonnenstrom verfügbar ist. Und ausgewählte Hausgeräte in Betrieb zu nehmen, sobald Sonnenstrom anliegt. All das erhöht den Anteil des selbst genutzten Sonnenstroms und funktioniert somit besonders wirtschaftlich.“
Georg Hammerstingl, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei KAMPA

Musterhaus Fellbach von Kampa mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Welche Stromspeicher für Plusenergiehäuser?

Bei der Speichertechnik für Plusenergiehäuser haben sich inzwischen Lithium-Ionen-Batterien gegenüber Blei-Batterien durchgesetzt. Sie haben einen höheren Wirkungsgrad, weniger Selbstentladung und mehr Be- und Entladezyklen. Die Zyklenzahl liegt bei mindestens 6.000. Die Größe der Anlage richtet sich nach dem Energiebedarf im Plusenergiehaus. Dabei geht es um Heizwärme, Warmwasser und Prozessenergie für Licht, Kochen, Wäschewaschen und -trocknen, TV, Computer und Sonstiges. Der Bedarf ist dies für jedes Bauvorhaben individuell zu ermitteln. Die Preise (ohne Montage) schwanken derzeit stark: kleine Speicher mit drei bis sechs Kilowattstunden Kapazität kosten etwa 3.500 bis 6.000 Euro. Größere Speicher mit sieben bis zehn Kilowattstunden bekommst du für etwa 7.000 bis 10.000 Euro. Ob oder wie schnell sich ein Speicher amortisiert, lässt sich nicht pauschal sagen. Deshalb ist es wichtig, im ersten Schritt eine zum Photovoltaiksystem passende Speichergröße auszuwählen. Neben den Preisen geht es dann auch um den Vergleich von technischen Daten, Kennzahlen und Features der Produkte. Und um den Vergleich von Hersteller-Garantiebedingungen.

Machen Plusenergiehäuser ihre Bewohner energieautark?

Expertentipp
„Leider nicht ganz, denn im Winter, wenn die Sonne nicht ausreichend Energie liefert, muss diese über den Stromversorger dazugekauft werden. Aber der Autarkiegrad wird durch den Einsatz eines Stromspeichers mit dazugehörigem Energiemanager deutlich erhöht.“
Georg Hammerstingl, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei Kampa

Auf was kommt es bei Photovoltaik-Modulen an?

Es gibt unterschiedliche Arten von Photovoltaik-Modulen für Plusenergiehäuser: Mono- und polykristalline sowie Dünnschicht-Module. Monokristalline Module sind fast schwarz, polykristalline an ihrer meist bläulichen Färbung zu erkennen. Dünnschicht-Module sehen aus wie schwarze Glasplatten ohne die sonst übliche Zellenstruktur. Wichtiger als die Optik sind Wirkungsgrad und Anschaffungskosten. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede. Die besten Wirkungsgrade, mit bis zu 22 Prozent bei direkter Sonneneinstrahlung, haben in unseren Breitengraden monokristalline Anlagen. Polykristalline Module erreichen nur durchschnittliche Wirkungsgrade von 15-20 Prozent. Dafür sind letztere in der Anschaffung etwas günstiger. Dünnschicht-Module weisen mit sechs bis zehn Prozent den geringsten Wirkungsgrad auf.

Photovoltaik-Anlagen erzeugen Gleichstrom. Das Stromnetz und die Elektrogeräte im Haus funktionieren aber nur mit Wechselstrom. Um aus Gleichstrom Wechselstrom zu machen, durchläuft der Solarstrom einen Wechselrichter. Danach nutzt du ihn entweder im Haus oder speist ins öffentliche Netz ein. Wer seinen Photovoltaik-Strom komplett ins Netz einspeist, benötigt zusätzlich zum normalen Stromzähler einen Einspeisezähler. Willst du Energie selbst nutzen, brauchst du einen Solarstromzähler fürs Messen der erzeugten Strommenge und einen Zweirichtungszähler. Dieser erfasst die eingespeiste und die bezogene elektrische Energie getrennt voneinander.

Was leistet eine Solarstromanlage?

Eine etwa 40 Quadratmeter große Photovoltaikanlage mit einer Nennleistung von 7 Kilowatt produziert im Jahr etwa 6.650 Kilowattstunden. Damit sichert sie rechnerisch den durchschnittlichen Strombedarf einer vierköpfigen Familie. Außerdem liefert sie genug Strom für etwa 15.000 Kilometer Reichweite eines Elektro-Autos. Wichtig ist, die Anlagengröße mit Blick auf zusätzliche Hausbewohner sowie auf weitere, größere Verbraucher auszulegen: Dazu zählen vor allem Heizwärmepumpe, Klimageräte und eben Elektrofahrzeuge. Derzeit sind für ein komplett installiertes Photovoltaik-System durchschnittlich etwa 1.300 bis 1.600 Euro (netto) pro Kilowattpeak Nennleistung zu kalkulieren. Die spezifischen Anschaffungskosten sinken bei steigender Anlagengröße.

Eine neue Photovoltaik-Anlage musst du zum einen beim jeweiligen Netzbetreiber anmelden. Häufig übernimmt dies der Solarinstallationsbetrieb. Zum anderen muss jede an ein Stromnetz angeschlossene Photovoltaik-Neuanlage im Marktstamm-Datenregister (MaStR) stehen (Online-Formular). Gibt es ergänzend einen Batteriespeicher, ist dieser separat registrierungspflichtig. Die Registrierung unter www.marktstammdatenregister.de ist gebührenfrei.

Warum sind Wärmepumpen als Heizung für Plusenergiehäuser besonders geeignet?

Bei Heizung und Warmwasserbereitung wird überwiegend auf die Elektro-Wärmepumpen-Technik gesetzt. Denn damit lassen sich die energetischen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) sowie die Effizienzhauskriterien der KfW-Förderprogramme einfach und kostengünstig erfüllen. Außerdem benötigt eine Wärmepumpenheizung weder Brennstofflager, Gasanschluss noch Schornstein. Die Technologie stuft der Gesetzgeber als erneuerbares Energiesystem ein, weil sie prinzipiell kostenfreie Umweltenergien wie Außenluft, Erdwärme und Grundwasser nutzen. Um diese auf ein für Heizzwecke geeignetes Temperaturniveau hoch zu „pumpen“, benötigt die Wärmepumpe Strom. Diesen produzieren Plusenergiehäuser mittels Photovoltaik-Anlage umweltfreundlich auf dem eigenen Dach. Abgebildet ist die Wirtschaftlichkeit des gesamten Wärmepumpen-Systems in der Jahresarbeitszahl (JAZ). Eine JAZ von vier bedeutet zum Beispiel, dass unter Einsatz von einem Teil Strom vier Teile Wärme entstehen.

Plusenergiehäuser haben oft eine Luft-Wasser-Wärmepumpe von Viessmann.
Viele Plusenergiehäuser sind mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe ausgestattet. Foto: Viessmann

Warum sind Luft-Wasser-Wärmepumpen am beliebtesten?

Den Löwenanteil der in Deutschland verbauten Wärmepumpen machen Luft-Wasser-Wärmepumpen aus. Ihre Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 12.000 bis 18.000 Euro. Sie bleiben damit kostengünstiger in der Anschaffung als die erdgekoppelten Systeme. Deren Gesamtkosten liegen bei etwa 15.000 bis 28.000 Euro. Grund für deren Mehrkosten ist die aufwendigere Technik zur Erschließung der Wärmequelle mittels spezieller Erdkollektoren oder genehmigungspflichtiger Erdsondenbohrungen. Diese erfordern auch ein geeignetes Grundstück. Luft-Wasser-Wärmepumpen kannst du flexibel innerhalb und platzsparend außerhalb des Gebäudes installieren. Beim Aufstellen im Freien ist es wichtig, auf die Geräuschemissionen zu achten. Ihr größter Nachteil ist, dass die Außentemperaturen gerade während der leistungshungrigen Heizperiode relativ niedrig sind. Günstigere und ganzjährig konstantere Temperaturen herrschen im Erdreich. Deshalb weisen die erdgekoppelten Modelle prinzipiell eine höhere Energieeffizienz auf.

Warum brauchen Plusenergiehäuser eine Lüftungsanlage?

Um die Energieeffizienz maximal zu gestalten und Abwärme optimal zu nutzen, brauchen Plusenergiehäuser eine automatische Wohnungslüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Und so funktioniert‘s: Wenn die Abluft das Lüftungsgerät erreicht, gelangt sie mittels eines Luftleitungsstücks mit Auslass ins Freie. Der Fachmann spricht hier von „Fortluft“. Im Winter nutzt die Anlage aus energetischen Gründen vor dem Luftaustritt noch die Wärmeenergie aus der Abluft. Im Inneren der Zu- und Abluftgeräte gibt es dafür eine Wärmerückgewinnung (Wärmetauscher). Diese überträgt den größten Teil der Abluftwärme an die gleichzeitig angesaugte kalte Frischluft („Außenluft“). Sogenannte Enthalpie-Wärmetauscher können zusätzlich auch Feuchtigkeit aus der Abluft an die Zuluft übertragen. Die Effizienz der zentralen Zu- und Abluftanlage lässt sich noch weiter steigern. Dazu muss man an kalten Tagen die Wärme des Erdreichs nutzen, um die kalte Außenluft vorzuwärmen. Dies leisten sogenannte Erdreichwärmetauscher. Übrigens: An heißen Sommertagen kann man die dann deutlich kühleren Erdreichtemperaturen einsetzen, um die Lufttemperaturen in den Räumen etwas abzukühlen.

Kampa_WHOG_Plusenergiehäuser

Welche Baustoffe und Konstruktionsarten eigenen sich für Plusenergiehäuser?

Expertentipp:
„Ein perfekt gedämmtes Haus, dessen Gebäudehülle so gut wie keine wertvolle Energie entweichen lässt, ist die Grundvoraussetzung für Plusenergiehäuser. Das vermeidet Wärmeverluste und senkt den Heizenergiebedarf auf ein Minimum. Der Baustoff Holz eignet sich hier besonders, da er eine geringe Wärmeleitfähigkeit hat und die Basis für eine hohe Energieeffizienz darstellt.“
Georg Hammerstingl, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei Kampa

Plusenergiehäuser mit dem Mulit-Tec-Wandsystem von Kampa

Gedämmte Plusenergiehaus-Wand: Die mehrschalige MultiTec-Wand von Kampa senkt den Energiebedarf und sichert die Wärme im Haus.

Plusenergiehaeuser mit Kampa-Thermofundamentplatte

Die Thermofundamentplatte von Kampa bietet einen hohen Wärmeschutz.

Wie sieht die Dämmung für ein Plusenergiehaus aus?

Plusenergiehäuser brauchen neben der technischen Ausstattung in jedem Fall eine optimale Wärmedämmung von Außenwänden, Dach und Bodenplatte. Das senkt den Energiebedarf von vornherein drastisch. Eine Disziplin, in der zum Beispiel Fertighäuser seit Jahrzehnten Vorreiter sind. Denn ihre Holzbauweise lässt hohe Dämmstoffstärken zu, und die industrielle Vorfertigung garantiert eine hohe Präzision sowie Dichtheit der Gebäudehülle. Am häufigsten findet sich im Fertigbau der Holzrahmen- beziehungsweise Holztafelbau. Die tragenden senkrechten und waagerechten Holzstiele erhalten dank Beplankung mit Holzwerkstoffplatten die notwendige Aussteifung. Die Gefache in diesen sogenannten Holztafel-Elementen enthalten Wärmedämm-Material. Außen können die Fertighauswände – zusätzlich zu den bereits wärmegedämmten Gefachen – eine zusätzliche Wärmedämmschicht erhalten. Das führt zu exzellenten Außenwand-U-Werten von 0,15 W/m2K bis 0,12 W/m2K. Diese sehr guten Dämmwerte sorgen dafür, dass das fertige Haus nur noch einen minimalen Heizwärmebedarf hat. Für die Dämmung einer Außenwand verwendet man Dämmplatten oder -matten zum Beispiel aus Mineralwolle, Holzfasern, Zellulose oder Kork. Je nachdem, welchen U-Wert man für die Außenwand anstrebt und welche Materialien man verwendet, ergeben sich unterschiedliche Wanddicken. Für die Berechnung des U-Wertes berücksichtigt man alle Schichten beim Wandaufbau. Das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) macht aber keine klaren Mindestvorgaben für den U-Wert einer Außenwand beim Neubau eines Wohnhauses. Entscheidend ist vielmehr der maximal zulässige Primärenergiebedarf, wenn es darum geht, ob ein Neubau den gesetzlichen Energiesparvorgaben entspricht.

Eine perfekte Haushülle für Plusenergiehäuser braucht natürlich rundum eine entsprechende Dämmung: Dazu zählen neben den Außenwänden auch das Dach sowie Keller oder Bodenplatte. Der Aufbau der Dachkonstruktion ähnelt im Holzfertigbau dem der Wände – mit Dämmung zwischen und auf den Sparren, die einen optimalen Wärmeschutz erzielt. Steht das Haus auf einer Bodenplatte, braucht diese eine Sockeldämmung. Steht es auf einem Keller, erhält dieser außen eine Perimeterdämmung als Wärmeschutz und ebenfalls einen gedämmten Sockel. Auf Plusenergiehäuser in Fertigbauweise passen am besten Keller in Beton-Fertigbauweise. Beide Produkte kommen präzise vorgefertigt von ihren Herstellern auf die Baustelle.

Welche Rolle spielen die Fenster für Plusenergiehäuser?

Für Plusenergiehäuser sind Wärmeschutz-Verglasungen mit gut gedämmten und dichten Rahmen Pflicht. Für Plusenergiehäuser kommen dreifach verglaste Fenster zum Einsatz, die niedrige Wärmedurchgangskoeffizienten aufweisen. Diese werden zum Beispiel mit einem Ug-Wert von 0,5 W/m2K ausgedrückt (Ug-Werte; g für „glazing“). Auch die Fensterrahmen müssen eine hohe Dämmung (Uf-Wert; f für „frame“) und Dichtigkeit aufweisen. Der Uw-Wert (w für „window“) berechnet sich für jedes Fenster aus dem Verhältnis von Rahmen- zu Verglasungsfläche.

Plusenergiehäuser mit 3-fach-Verglasung von Schüco
Plusenergiehäuser haben heute dreifach verlgaste Fenster. Foto: Schüco

Warum muss eine Außenwand für Plusenergiehäuser luftdicht sein?

Neben der guten Wärmedämmung müssen Außenwände zusammen mit allen anderen Außenbauteilen des Hauses eine luftdichte Hülle ergeben. Denn nicht nur durch Wärmeleitung kann Energie verloren gehen, sondern auch durch den unkontrollierten Luftaustausch zwischen innen und außen (Spalten, Ritzen). Deswegen schreibt das Gesetz die Luftdichtigkeit von Neubauten vor.

Wie kann ich meinen Stromverbrauch minimieren?

Damit Plusenergiehäuser ihre Vorteile richtig ausspielen können, sollten Bewohner auf einen niedrigen Stromverbrauch achten. Dabei helfen energieeffiziente Entertainment- und Haushaltsgeräte sowie Leucht­mittel. Auch eine smarte Haussteuerung kann dazu beitragen, Energie sparsam und ­vorausschauend zu konsumieren. Um erst dann, wenn Sonnenenergie zur Mittagszeit im Überfluss zur Verfügung steht, beispielsweise die Wasch­maschine in Gang zu setzen. So tragen viele kleine Bausteine zu Plusenergiehäusern bei und ermöglichen es, die persönliche Klimabilanz nachhaltig zu verbessern.

Wie unterscheiden sich Plusenergiehäuser von einem Niedrigenergiehaus oder einem Passivhaus?

Expertentipp:
„Der Begriff Passivhaus oder Niedrigenergiehaus bezieht sich rein auf die bautechnischen Elemente. Das Niveau der Gebäudehülle ist bei allen drei Häusern vergleichbar, der Unterschied liegt in der technischen Ausstattung. Ein Niedrigenergiehaus beziehungsweise ein Passivhaus muss nicht zwingend über eine Photovoltaikanlage verfügen. Es ist somit auch nicht in der Lage, eigenen Strom zu erzeugen.“
Georg Hammerstingl, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei Kampa

Was kosten Plusenergiehäuser?

Plusenergiehäuser können so unterschiedlich sein wie Häuser ohne Plus-Technik. Das gilt für Größe, Architektur und Ausstattungsqualitäten gleichermaßen. Die höheren Kosten für Plusenergiehäuser kannst du also erst dann exakt ermitteln, wenn dein Haus geplant ist und du einen Effizienzhausstandard gewählt hast: KfW-Effizienzhaus 55 oder KfW-Effizienzhaus 40. Auf dieser Basis kannst du dann die Mehrkosten für die zusätzlich notwendige Technik wie Photovoltaikanlage und Speicher für dein konkretes Bauprojekt ermitteln.

Gibt es Fördermittel für Plusenergiehäuser und wenn ja, welche?

Expertentipp:
„Ja, die gibt es. Es gilt seit Anfang Juli 2021 die neue Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Diese bietet mit dem Programm 261 einen zinsgünstigen Kredit in Höhe von bis zu 150.000 Euro und einen Tilgungszuschuss von maximal 25 Prozent je Wohneinheit. Das sind maximal 37.500 Euro, die als Tilgungszuschuss oder alternativ als Fördermittel gewählt werden können. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von regionalen Förderprogrammen zum Beispiel für Energiespeicher oder nachträglich installierte Ladestationen.“
Georg Hammerstingl, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei Kampa

Wie werden Effizienzhäuser/Plusenergiehäuser gefördert?

Im Rahmen des Klima­schutz­programmes 2030 hat die Bundes­regierung die Förderung für energie­effiziente Gebäude weiter­entwickelt. Seit 1. Januar 2021 ist die bisherige Förderung durch die KfW-Bank und die Bafa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zusammengefasst. Durch die Umstellung sollen noch stärkere Anreize als bisher geschaffen werden, effizient zu bauen. Die BEG unterteilt sich in drei Kategorien: BEG WG (Wohngebäude), BEG NWG (Nichtwohngebäude) und BEG EM (Einzelmaßnahmen), bei der es vor allem ums Thema Sanierung geht.

Die BEG WG (Förderprogramm 261/262) entspricht prinzipiell der Förderung für effiziente Neubauten zuvor. Wie bisher kannst du einen Kredit bei der KfW aufnehmen und dafür einen Tilgungszuschuss erhalten. Neu ist, dass du auch einen Zuschuss erhalten kannst, wenn du keinen Kreditbedarf hast. Die maximale Kreditsumme beträgt 120.000 Euro. Die Zuschüsse steigern sich je nach Effizienzgrad: Für ein KfW-Effizienzhaus 55 sind das 15 Prozent der Kreditsumme, also 18.000 Euro. Für ein KfW-Effizienzhaus 40 sind es 20 Prozent und 24.000 Euro. Und für ein KfW-Effizienzhaus 40 Plus sind es 25 Prozent und 30.000 Euro. Seit 1. Juli 2021 gibt es zusätzlich das EE-Paket (für erneuerbare Energien) und das NH-Paket (für Nachhaltigkeitszertifizierungen). Für eine Förderung aus dem EE-Paket müssen mindestens 55 Prozent erneuerbare Energien zur Wärmeversorgung in deinem Haus beitragen. Für die NH-Förderung brauchst du einen Nachhaltigkeitsnachweis durch einen qualifizierten Zertifizierer. Wenn alles passt, erhöht sich die KfW-Kreditsumme für dein Haus von 120.000 Euro auf 150.000 Euro. Und die Zuschüsse steigen auf 17,5 Prozent, also 26.250 Euro fürs KfW-Effizienzhaus 55, auf 22,5 Prozent, also 33.150 Euro fürs KfW-Effizienzhaus 40. Weil das KfW-Effizienzhaus 40 Plus durch seine Photovoltaik ohnehin die EE-Kriterien erfüllt, gibt es dafür keinen erhöhten prozentualen Zuschuss. Es bleibt bei 25 Prozent, aber von 150.000 Euro, also 37.500 Euro. Hocheffiziente Holzfertighäuser erfüllen die Kriterien für EE und NH problemlos. Die Baubegleitung deines Bauprojekts durch einen zertifizierten Energieberater ist Voraussetzung für ein förderfähiges Bauprojekt. Sie wird mit maximal 5.000 Euro (50 Prozent von maximal 10.000 Euro) gefördert.

Warum brauche ich eine Wallbox für Plusenergiehäuser?

Übliche einphasige Haushaltssteckdosen (Schutzkontaktsteckdosen) mit einem Bemessungsstrom von 16 A vertragen einen Dauerbetrieb nicht. Sie können sich bei länger andauerndem Stromfluss über mehrere Stunden stark erwärmen und unter ungünstigen Bedingungen einen Brand auslösen. Hersteller solcher Steckdosen raten deshalb bei Dauerbetrieb zu einer maximalen Belastung mit höchsten 80 Prozent ihres Bemessungsstromes. Ein reduzierter Ladestrom ist aber für das Aufladen von Elektrofahrzeugen mit größeren Batterien (Akkumulatoren) nicht praktikabel. Der Grund: die Aufladezeit kann sich bei kleinem Ladestrom erheblich verlängern. Einphasige Haushaltssteckdosen, die in bestehenden Elektroinstallationen häufig für den Anschluss von Ladeeinrichtungen empfohlen werden, eignen sich deshalb im Allgemeinen nicht für das Laden von Elektrofahrzeugen. Ausgenommen hiervon ist das Laden von Pedelecs, E-Bikes oder Scootern. Je nach Anbieter, Bundesland oder Stadt werden verschiedene Förderungen für Wallboxen angeboten. Bei einigen Modellen kann ebenso der Einbau einer Stromleitung für die Wallbox sowie die Umstellung auf Ökostrom gefördert werden. Die KfW fördert eine Elektro-Tankstelle für das E-Auto mit 900 Euro pro Ladepunkt („Zuschuss 440“)

Für Plusenergiehäuser sind  Wallboxen sinnvoll.
Plusenergiehäuser: Professionelle Ladestation für E-Autos von E3DC.

Amortisieren sich die Mehrkosten für Plusenergiehäuser?

Expertentipp:
„Plusenergiehäuser sichern die höchsten staatlichen Förderungen und werden inzwischen auch mit individuellen Finanzierungsangeboten unterstützt. Zahlreiche Banken fördern das nachhaltige Bauen. Heute schon bauen, wie es der Gesetzgeber in Zukunft fordern wird, ist die Devise. Was uns in Zukunft an CO2-Steuern oder Ähnlichen erwartet, ist im Gebäudesektor noch gar nicht absehbar. Die Amortisation wird also durch die Förderungen, niedrigere Zinsen und Einsparung bei den monatlichen Energiekosten schnell erreicht.“
Georg Hammerstingl, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei Kampa

Fazit

Plusenergiehäuser haben viele Vorteile: Ihre hochgedämmte Haushülle hält Wärmeverluste gering, die benötigte Energie für die Wärmepumpen-Heizung erzeugen Photovoltaik-Elemente auf dem eigenen Hausdach regenerativ selbst und Energie-Überschüsse speichern sich in einer Batterie. Plusenergiehäuser tragen deshalb dazu bei, die ausgerufenen Klimaziele zu erreichen, sorgen für ein gutes Gewissen ihrer Bewohner und dank Lüftungsanlage für eine hervorragende Wohnatmosphäre mit stets sauberer, frischer Luft. Die höheren Anschaffungskosten für Plusenergiehäuser im Vergleich zu Häusern ohne Plus-Technik amortisieren sich im Laufe der Zeit. Plusenergiehäuser sind Häuser für die Zukunft!

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