Mit Eigenleistungen zum Eigenheim: Was ist tatsächlich machbar?

Das Eigenheim ist für die meisten eine enorme finanzielle Belastung. Durch die „Muskelhypothek“ lassen sich Kosten sparen. Allerdings können hier Fehler auch gleich sehr teuer werden. Deshalb ist es sehr wichtig, genau zu überlegen, welche Arbeiten jeder selbst erledigen kann und welche besser ein Fachmann übernimmt. Foto: Pixabay © anncapictures

Viele verwirklichen sich einen Lebenstraum, wenn sie ihr eigenes Haus bauen. Doch nicht jeder kann sich die große Investition, die damit einhergeht, auch leisten. Häufig ist damit eine Zahlungsverpflichtung über Jahrzehnte verbunden. Um Kosten einzusparen, erbringen viele Bauherren Eigenleistung, teilweise bis hin zu einem komplett selbst gebauten Haus. Je nach Fähigkeiten kann das auch tatsächlich funktionieren.

Arbeiten, die sich als Eigenleistungen eignen sind das Hochziehen der Mauern, der Einbau der sanitären Anlagen, gestalterische Aufgaben, wie Malerarbeiten oder das Verlegen von Teppichen. Dabei kann es nicht genug helfende Hände von Freunden und Bekannten geben, die durch handwerkliche Kompetenz und Fachkenntnisse so manche Arbeit erleichtern. Doch die Kehrseite: unsachgemäß ausgeführte Arbeiten können zu Mängeln führen, die der Bauherr auf eigene Rechnung beseitigen muss. Deshalb ist gute Planung wichtig.

Was sollte eine Fachfirma übernehmen?

An jedem Haus gibt es Hauptgewerke. Dazu gehören Elektroinstallationen sowie die Sanitär- und Heizungsarbeiten. Falsche Installationen können hier hohe Schäden verursachen, deshalb sollten hier nur Handwerker und Heimwerker arbeiten, die auch wirklich über fundierte Kenntnisse in diesen Bereichen verfügen. Teilweise können hier hohe Folgekosten entstehen, wenn Nachbesserungen erforderlich werden oder Strafen durch die Bauaufsichtsbehörde drohen. Auch beim Mauern oder Fenstereinbau kann so einiges schiefgehen. Bauherren können bei richtiger Durchführung laut Selbstbauverband bis zu 40.000 Euro beim Bau ihres Eigenheims sparen.

Wo fast jeder mitanpacken kann

Es gibt einige Gewerke mit einfachem Schwierigkeitsgrad, die sich ganz besonders für Eigenleistungen eignen. Die Lohnkosten sind ein Posten, mit dem sich viel Geld einsparen lässt. Wer dann noch beim Einkauf der Materialien mit spitzer Feder kalkuliert und die Preise gründlich vergleicht, kann zusätzlich Geld einsparen. Da Preisvergleiche immer sehr zeitaufwendig sind, kann hier das Internet sehr hilfreich sein, wie die Seite Vergleich.org zeigt.

Ein Beispiel: Die Gartenneuanlage ist eine zeitaufwendige Arbeit. Je nach Größe kommen hier schnell 40 bis 50 Stunden zusammen. Wer gerne Gartenarbeit erledigt, findet hier eine reizvolle Herausforderung.

Clever organisieren hilft sparen

Es ist fast unmöglich, ein Haus komplett in Eigenleistung zu bauen. Viele Bauherren unterschätzen dabei den Faktor Zeit. Heimwerker, die sich viele Kenntnisse erst noch aneignen müssen, brauchen für bestimmte Arbeiten wesentlich länger als ein gelernter Handwerker. Hier ist es sehr wichtig realistisch zu planen und sich genau mit dem bauausführenden Unternehmen auszutauschen. Zusammen mit dem Bauunternehmen können Bauherren vereinbaren, welche Arbeiten sie zusammen mit ihrem persönlichen Team übernehmen und welche Materialien und Werkzeuge dafür notwendig sind. Wichtig ist auch, im Voraus zu wissen, wie viel Zeit das persönliche Bauteam jede Woche auf der Baustelle verbringen kann. Die Helfer opfern hier sehr oft nicht nur viel Freizeit, sondern auch Teile ihres Jahresurlaubs.

Praxistipp: Damit ein reibungsloser Ablauf gewährleistet ist, sollte vorher ein grober Plan vorliegen, der die verschiedenen Schritte skizziert. Dann wissen alle Bauhelfer, welche Arbeiten wann zu erledigen sind. Dabei ist ein detaillierter Plan sehr hilfreich, in dem genau steht, wer wann welche Aufgaben erledigt und wie lange diese Arbeiten dauern. Da die wenigsten Helfer Profis sind, ist eine großzügige Zeitplanung sinnvoll.

Rechtliche und finanzielle Absicherung

Es sollte bei den Eigenleistungen immer ein qualifizierter Handwerksmeister, Bauleiter oder Architekt die Aufsicht über die Eigenleistungen übernehmen. Der Bauherr kommt dafür in der Regel wegen fehlender Qualifikation nicht infrage. Um spätere Baumängel zuordnen zu können, ist es sinnvoll in einem Vertrag sehr genau festzuhalten, welche Arbeiten in Eigenregie erfolgen und welche ein Fremdunternehmen übernehmen soll. Denn für Schäden, die durch die Eigenleistung entstehen, muss der Bauherr haften.

Beim Innenausbau bares Geld sparen

Maler- und andere Innenausbauarbeiten eignen sich hervorragend auch für ungeübte Bauherren, selbst Hand anzulegen. Foto: Pixabay © stux

Bei der Ausführung und auch bei der Materialwahl für den Innenausbau lässt sich viel Geld sparen. Wichtig ist, auf Qualität zu achten, um am Ende ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erhalten.

Bei einem Haus gibt es tragende und nichttragende Wände. Wer hier selbst Hand anlegen möchte, sollte die tragenden Wände dem Profi überlassen und die nichttragenden Wände selbst hochziehen. Das geht relativ unkompliziert mit Ständerwerken und Gipskartonplatten oder mit Porenbetonsteinen. Bei der Wärmedämmung gilt seit August 2020 das neue Gebäudeenergiegesetz.

Auch beim Einbau von Türen können Bauherren bares Geld sparen, denn es ist auch für Fachkräfte eine zeitaufwendige Arbeit. Die Farb- und auch die Materialwahl liegen dabei ganz beim Bauherrn. Für begabte Heimwerker stellt der Einbau von Türen eine machbare Aufgabe dar. Beim Einbau der Fenster kommt es auf den korrekten Einbau an, um die Wärmedämmung zu gewährleisten. Fehler können hier schnell sehr teuer werden. Wie schwierig der Einbau ist, hängt auch von der Form der Fenster ab. Konventionelle Fenster können geschickte Laien selbst einbauen. Wichtig ist, sich für die Montage zuvor ausführliche Montageanleitungen anzuschauen.

Für einen schönen Fußboden ist hochwertiges Material notwendig, die Auswahl ist dabei riesengroß. Es gibt Fliesen, Laminat, Parkett, Teppichboden, Kork und vieles mehr. Dabei ist für die verschiedenen Materialien immer die entsprechende Behandlung erforderlich. Wer hier gar keine Erfahrung hat und auch niemanden kennt, sollte diese Aufgabe einem Experten anvertrauen, damit das Ergebnis am Ende nicht enttäuscht.

Den Garten mit eigenen Ideen selbst verwirklichen

Der Garten muss beim Einzug noch nicht ganz fertig sein. Foto: Pixabay © kvi

Bei der Anlage des Gartens gibt es ebenfalls ein großes Sparpotenzial. Wer einen Landschaftsgärtner beauftragt, muss allein für die Planung mehrere Hundert Euro kalkulieren, Geld, das sich leicht einsparen lässt. Neben der Gartenanlage ist meist eine Terrasse geplant. Hinzu kommt das Anpflanzen von Blumen, Sträuchern und Bäumen oder der Bau eines Gartenhäuschens für die Geräte. Je nach Gartengröße können Bauherren hier schnell 2.000 bis 4.000 Euro einsparen.

Als Ideengeber und für Ratschläge für die Ausführung sind Fachzeitschriften sehr hilfreich, die oft mit Do-it-yourself-Anleitungen weiterhelfen. Dort finden sich viele schöne Gestaltungstipps für den Garten. Ein Garten mit überwiegend Rasenfläche ist natürlich wesentlich weniger aufwendig als ein Garten, der viele Details hat, wie ein Biotop zum Beispiel.

Mithilfe des Grundstücksplans lässt sich die Gartenplanung im richtigen Maßstab auf einem Blatt Papier vorbereiten. Für die anschließende Planung ist eine Materialliste sinnvoll, damit die Kosten am Ende nicht das Budget sprengen. Erst wenn alles gut kalkuliert ist, sollte das Einkaufen und Arbeiten beginnen. Mit ein paar Helfern lässt sich so kostengünstig und relativ schnell ein persönliches Gartenparadies erschaffen. Sollte das Budget am Anfang nicht ausreichen um alles fertigzustellen, lässt sich der Garten auch später noch in kleinen Teilschritten vollenden.

Fazit – mit Eigenleistung lässt sich viel Geld sparen

Eigenleistung beim Eigenheim ist nicht zu unterschätzen. Bei vielen Punkten sind gute Planung und Organisation für das Gelingen des Projekts erforderlich. Es ist wichtig, auch für eine rechtliche sowie finanzielle Absicherung zu sorgen. Bei größeren Projekten ist ein Berater sinnvoll, der zwar Geld kostet, aber auch hilft, teure Nachbesserungen zu vermeiden.

Da die meisten nicht täglich am Bau arbeiten, ist davon auszugehen, dass die Arbeiten wenig routiniert ablaufen und ein hoher Zeitaufwand dafür erforderlich ist. Durch umfassende Planung und Delegation der Aufgaben an die richtigen Personen, lässt sich viel Zeit sparen.

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